In der Finalrunde werden die Karten neu gemischt

Pressemitteilung - 14. August 2022

In der Finalrunde werden die Karten neu gemischt

Mit dem dritten Tag der Gemeinsamen Internationalen Deutschen Jugendmeisterschaften (GIDJM) der Seglerjugend vor Kiel-Schilksee spitzen sich die Titelkämpfe zu. Die Klassen mit Gruppeneinteilungen sind in die Finalrunde gestartet, und in den Goldflotten werden die Karten neu gemischt. Im Gegensatz zur Vorrunde sind die Kämpfe um die besten Plätze an Startlinie und Bahnmarke deutlich enger, das Einfahren von Top-Ergebnissen schwieriger. Das mussten manche Führenden aus der Vorrunde schmerzhaft zur Kenntnis nehmen.

Optimist

Bei den jüngsten Seglern droht eine Deutsche Meisterschaft ohne deutsche Beteiligung auf dem Siegerpodest. Der Schwede Henric Wigforss setzt seine Serie auch in der Goldflotte der Optimisten souverän fort und wird nach nunmehr acht Siegen in den neun Wettfahrten verfolgt vom Dänen Frederic Dam Hastrup und dem Belgier Vic Rossel. Alle drei sind mit der Erfahrung von der Weltmeisterschaft in Bodrum/Türkei nach Kiel gereist und setzten diese erfolgreich ein. „Ich hatte heute mit den Platzierungen 3, 3, 5 einen guten Tag, bin zufrieden. Ob ich Henric noch mal angreifen kann? Ich glaube nicht. Er ist einfach zu stark. Ich werde einfach segeln und hoffen“, berichtet der Däne Frederic Dam Hastrup. Als bester Deutscher müsste der Düsseldorfer Levian Büscher als Gesamt-Vierter neben einem neunten und zweiten Platz eine Frühstart-Disqualifikation verkraften.

Henric Wigforss agiert bei den Optimisten nah am Optimum. Der Schwede verpasste in den neun Wettfahrten nur einen Sieg. Foto: segel-bilder.de

Teeny

Nach einem Tag ohne Tagessieg sind Jona Lotta Hahn/Svea van Raden in die Erfolgsspur zurückgekehrt. Mit zwei Siegen und einem dritten Platz am Sonntag haben sie sich bereits einen komfortablen Vorsprung vor den Verfolgern erarbeitet. Da um die weiteren Medaillenränge der Teenys zwischen Niko Becker/Timo Orth (Berlin) und Greta Boedefeld/Hannah Kenning (Berlin/Dümmer) ein enger Kampf entbrannt ist, kann das Mädchen-Duo von der Nordsee vermeintlich entspannt in die beiden verbleibenden Meisterschaftstage gehen. Doch von den ersten Verfolgern Becker/Orth kommt nach der Analyse eine klare Kampfansage: „Im ersten Rennen sind wir die erste Kreuz nicht gut gefahren. Danach lief es super mit dem ersten Platz im zweiten Rennen, und das letzte Rennen war eine Mischung aus beidem“, so Vorschoter Timo Orth. Für seinen Steuermann steht fest: „Die nächsten beiden Tage fahren wir nicht auf Absichern der Medaille. Ein zweiter Platz ist schön, aber der erste besser!“

Die Führenden der Teenys, Jona Lotta Hahn/Svea van Raden, sind mit zwei Tagessiegen in die Erfolgsspur zurückgekehrt. Foto: segel-bilder.de

ILCA 4

Mit den ersten Finalrennen wurde das Feld der Ilca4 kräftig durchgeschüttelt. Der bisherige Spitzenreiter Felix Bonhagen (Zwischenahn) rutschte auf Platz neun ab, dagegen schaffte Leif Lüders (Kiel) mit einem neunten Platz und zwei Siegen den Sprung ganz nach oben – auch wenn er Platz eins beim Einlaufen in den Hafen noch gar nicht realisiert hatte: „Echt? Damit habe ich nicht gerechnet. Eigentlich hat mir der Wind heute gar nicht so gefallen. Aber die Welle war super. Vormwind kam man super drauf, und auf der Kreuz konnte man sie perfekt aussteuern.“ Die Frage nach der Strategie für die nächsten Tage, beantwortet er mit einem Grinsen: „Ergebnis halten.“ Um dann nachzuschieben: „Am Start werde ich mich nicht auf die Konkurrenten konzentrieren, aber wenn es sich während der Rennen ergibt, dann versuche ich natürlich schon, die Gegner zu covern.“ Vor allem seinen Kieler Clubkameraden Tom Struve und den Berliner Franz Lasch wird er als ärgste Verfolger im Blick behalten.

Trotz zweier Tagessiege war Leif Lüders nach der Rückkehr in den Hafen überrascht, dass er die Gesamtführung der Ilca4 übernommen hatte. Foto: segel-bilder.de

ILCA 6

Die Meisterschaft in der Ilca 6 bleibt spannend – beim Kampf um die Silbermedaille. Während Spitzenreiter Ole Schweckendiek auf seinem Kieler Heimrevier munter Sieg auf Sieg folgen lässt und nach neun Rennen eine blütenweiße Weste hat, geht es für die ersten Verfolger auf und ab. Nach den ersten drei Rennen in der Finalrunde hat Paul Porthun die besten Karten für den Vize-Titel auf der Hand. Der Kieler Internatsschüler Willy Sörensen, der Schweckendiek vor einer Woche bei der Strander Küz-Regatta noch schlagen konnte, rennt dagegen zwei Patzern aufgrund von Jury-Entscheidungen hinterher und muss sich mühen, um den Abstand nach vorn zu verkürzen. Als derzeit Fünfter rückt der Bronzerang für ihn mit 5,6 Punkten Rückstand in Schlagweite.

Ohne Fehl und Tadel: Ole Schweckendiek segelt der Konkurrenz der Ilca 6 mit neun Siegen in neun Wettfahrten auf und davon. Foto: Sascha Klahn

Europe

Die Dritte der Jugend-EM, Antonia Richter vom Dümmer, kommt ihrem Wunsch nach einem weiteren Medaillengewinn innerhalb weniger Tage immer näher. Mit beständigen Ergebnissen im Spitzenfeld verteidigt sie ihre Führung vor Larson Schütze (Dümmer). Eine Veränderung gab es auf Rang drei. Ben Krell (SC Ville) kletterte auf den Bronzerang.

Antonia Richter nimmt Kurs auf den zweiten Medaillengewinn innerhalb weniger Tage. Die EM-Dritte führt das IDJM-Feld der Europes an. Foto: Sascha Klahn

29er

Bei der Rückkehr in den Hafen mussten sich die klaren Dominatoren der 29er, Anton und Johann Sach, einen ironisch-spaßigen Kommentar von Vater Christian anhören: „Endlich wart ihr mal rechtzeitig los am Start.“ Gemeint war die Frühstart-Disqualifikation in der ersten Tageswettfahrt. Unter Druck wollten sich die Titelverteidiger davon aber nicht setzen lassen: „In den nächsten Rennen müssen wir nun eben etwas vorsichtiger agieren. Aber mit dem stärkeren Wind lief es sogar besser als in den vergangenen Tagen“, sagte Vorschoter Johann Sach. Spaß in den Bedingungen hatten auch die Vierten der Youth Worlds, Jule Ernst/Louisa Schmidt (München). Mit einem Tagessieg, einem dritten und einem vierten Platz arbeiteten sie sich an die Podiumsplätze heran. „Heute lief es besser als in den vergangenen Tagen, wir mögen den stärkeren Wind“, so Steuerfrau Jule Ernst. Noch liegen sie als Sechste in Lauerposition, stellen aber klar: „Wir geben unser Bestes und versuchen noch einen Angriff auf die Medaillen. Beste, reine Mädchencrew zu sein, ist auf jeden Fall schon einiges wert.“

420er

Die Serie von fünf Siegen in Folge konnten die Berliner Johann Emmer/Jannis Liebig im 420er zwar nicht fortsetzen, mit 3, 2, 4 bleiben die Berliner aber an der Spitze und wollen weiter locker bleiben – aus gutem Grund: „Wir machen uns keinen Stress. Ich kann erst seit einer Woche wieder segeln, hatte mir bei einem Segelunfall einen offenen Schädelbasisbruch zugezogen“, berichtet Steuermann Emmer und weist auf eine Narbe am Kopf. Auf einem Dickschiff wurde er von der Schot mitgerissen und knallte auf eine Winsch. Vier Tage lag er im Krankenhaus. Jetzt ist er froh, überhaupt wieder auf dem Boot zu sitzen, segelt mit Helm, um jedes Risiko zu vermeiden. „Wir bleiben bei der Strategie, locker zu agieren. Es gibt auch keinen Grund, sich Sorgen zu machen, denn noch haben wir keinen Patzer gesegelt.“ Gleichwohl haben die Kieler-Woche-Sieger Leonard von Holtum/Josh Berktold (Essen) den Abstand mit 2, 1, 2 verkürzt.

Johann Emmer/Jannis Liebig gehen locker an die IDJM der 420er heran. Nach einem Schädelbasisbruch ist Steuermann Emmer froh, wieder im Boot zu sitzen. Foto: Sascha Klahn

Pirat

Die Überlegenheit des Sonnabends konnten die Piraten-Führenden Mia Sophie Aldag/Jonas Rohner (Hamburg/Berlin) nicht wiederholen. Zwar bleiben sie an der Spitze, mehr Freude herrschte aber am Liegeplatz direkt daneben. „Hoffentlich läuft es so weiter wie im letzten Rennen. Da hatten wir über einen halben Schenkel Vorsprung“, freute sich Lissa Müncheberg mit ihrer Vorschoterin Charlotte Meyer. Als Rostockerin mag Müncheberg die Ostseewelle. „Charlotte kann das aber auch sehr gut“, berichtete sie über ihre Vorschoterin aus Ribnitz. Mit der Serie 2, 3, 1 verkürzten sie den Abstand nach vorn auf vier Punkte und haben zu den drittplatzierten Ake Braje/Marie Luise Bark (Münster/Güstrow) bereits 14 Zähler Vorsprung.

Lissa Müncheberg/Charlotte Meyer erwischten einen starken Tag bei den Piraten und machen sich nun Hoffnungen auf den Titelgewinn. Foto: Sascha Klahn

Open Windfoil

Die foilenden Surfer kämpfen vor Schilksee mit den Windbedingungen am Limit. Das geplante Wettfahrtprogramm gerät damit in Verzug. Statt der geplanten 17 Rennen, sind erst zehn im Block. Die sportliche Dominanz von Jakob Ditzen wird aber auch dabei deutlich. Sieben Siege hat der Berliner bisher eingefahren. An der Spitze steht er trotzdem nicht. In der sechsten Wettfahrt war er beim Start zu früh über der Linie. Da er bei der Startwiederholung wieder mit fuhr, wurde er disqualifiziert und kann diese Disqualifikation nicht aus der Wertung nehmen. So hetzt er als Dritter noch dem führenden Elias von Maydel (Berlin) und dem zweitplatzierten Marlon Maethner (Kiel) hinterher.

Text: Hermann Hell & Ralf Abratis

Der Regatta-Plan:

GIDJM

Klassen: Optimist, ILCA 4, ILCA 6, Europe, Teeny, 29er, 420er, Pirat, Open Windfoil Youth.

Mittwoch, 10. August, und Donnerstag, 11. August: Vermessung.

Freitag, 12. August, bis Dienstag, 16. August: Wettfahrten

 

50 Jahre Olympia vor Kiel-Schilksee:

Klassen: Drachen (Ranglisten-Regatta/8 Wettfahrten), Flying Dutchman (IDM/ 7 W), Star (North European Championship/6 W), Tempest (WM/9 W).

 

Montag, 15. August: Vermessung: Tempest

Dienstag, 16. August: Practice Race: Tempest

Mittwoch, 17. August: Vermessung: Star; Wettfahrten: Tempest

Donnerstag, 18. August: Wettfahrten: Tempest, Drachen

Freitag, 19. August: Wettfahrten: Tempest, Star, Drachen, Flying Dutchman; 18:00 Uhr Eröffnungsfeier

Samstag, 20. August: Wettfahrten: Tempest, Star, Drachen, Flying Dutchman

Sonntag, 21. August: Wettfahrten: Tempest, Star, Drachen, Flying Dutchman – danach: Siegerehrungen

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