Frischer Auftrieb für das olympische Surfen

Pressemitteilung - 15. August 2022

Frischer Auftrieb für das olympische Surfen

Das olympische Surfen ist im Umbruch, und der Deutsche Segler-Verband (DSV) nimmt einen neuen Anlauf auf die Spiele. Mit dem Wechsel auf die Foil-Variante des Surfens bekommen die Hoffnungen auf eine deutsche Olympia-Teilnahme in 2024 frischen Auftrieb, nachdem 2021 keine deutschen Surfer am Start waren und 2016 nur die Männer-Disziplin besetzt werden konnte. Neben der Spitzenförderung nimmt auch der Nachwuchs Fahrt auf. Zu den Gemeinsamen Internationalen Deutschen Jugendmeisterschaften vor Schilksee ist erstmals die Klasse der Open Windfoiler am Start. 18 Deutsche und ein Tscheche fliegen noch bis Dienstag über den Kurs. Leon Delle, seit Mai 2020 Mitarbeiter der Abteilung „Spezielle Segeldisziplinen“ beim DSV, analysiert den Entwicklungsstand.

Aus Trainingsmaßnahmen und regionalen Regatten ist bekannt, dass es in Deutschland rund 50 jugendliche Windfoiler gibt. „Mit der Starterzahl von knapp 20 zur Deutschen Jugendmeisterschaft sind wir daher nur mittelmäßig zufrieden“, sagt Leon Delle, der aber für die Zukunft auf steigende Zahlen setzt: „Der olympische Weg ist für viele Surfer noch Neuland und muss interessanter werden. Wir arbeiten daran, die Strukturen des Verbandes bekannter zu machen und zu verdeutlichen, welche Fördermöglichkeiten es gibt.“

Um die Einstiegshürden für den Nachwuchs und den finanziellen Einsatz der Eltern möglichst niedrig zu halten, hat der DSV bei Einführung der neuen Meisterschaftsklasse nicht auf die iQ Foil Jugendklasse gesetzt, sondern auf die Boxrule-Klasse Open Windfoil, die die Wahl des Materials in bestimmten Grenzen offen hält. So kommen auch Surfer zum Zuge, die von anderen Ausstattern gesponsert werden. Mit Blick auf höhere Ambitionen setzt sich aber inzwischen deutlich das iQ-Foil-Equipment durch.

Leon Delle ist seit 2020 Mitarbeiter der Abteilung „Spezielle Segeldisziplinen“ beim DSV.

Der Leistungs- und Erfahrungsstand der Athleten und Athletinnen zu den GIDJM ist laut Delle breit gefächert – vom Einsteiger bis hin zu hohem Level. Gleichwohl haben die Deutschen noch Nachholbedarf, um das internationale Niveau zu erreichen. Und damit ist die Aufbauarbeit gefordert. Das Windfoilen flächendeckend in die Clubarbeit zu integrieren, ist indes eine Herausforderung: „Nicht auf allen Revieren ist das Windfoilen möglich, daher geht die Surfausbildung in manchen Vereinen in eine andere Richtung. Und wir brauchen qualifizierte Trainer in der Basisarbeit. Wenn es uns gelingt, das Trainingsangebot zu verbessern und die Regattatätigkeit zu steigern, dann wird auch die Qualität höher“, so Delle.

Ein Wermutstropfen mit der Einführung der neuen Meisterschaftsklasse ist, dass die Einsteiger-Surfklasse Techno 293 trotz Meisterschaftsstatus kein Feld für die GIDJM zusammengebracht hat. Delle: „Bisher war der Techno 293 eine U19-Klasse, jetzt ist es eine U15-Klasse. Damit hat sich das Feld naturgemäß deutlich reduziert. Zudem stellen wir fest, dass die Altersklasse, die mit dem Foilen beginnt, immer jünger wird. Als Basisarbeit für das Open Windfoilen bleibt der Techno 293 aber eine wichtige Klasse. Und es gibt immer noch einige Flammen, die wieder auflodern.“

Über die Jugendarbeit entscheidet sich für die kommenden Olympiazyklen, ob es nach Surf-Silber für Amelie Lux in Sydney 2000 und die starken Auftritte von Leons Schwester Moana Delle (Olympia-Fünfte 2012) und Toni Wilhelm (Olympia-Vierter 2012) wieder deutsche Surf-Erfolge auf dem Olympia-Brett geben wird. Der aktuelle Olympia-Kader mit Sebastian Kördel und Fabian Wolf sowie Lena Erdil wird im kommenden Jahr bei den Worlds vor Den Haag seine Olympia-Qualitäten unter Beweis stellen müssen, wenn die ersten Nationentickets für die Spiele in Marseille 2024 vergeben werden. Eine erste Standortbestimmung erwartet Leon Delle bereits bei der kommenden WM in Brest/Frankreich (14. bis 22. Oktober): „Sebastian und Fabian leisten mit Trainer Dom Tidey ebenso gute Arbeit wie Lena mit Trainer Olga Maslivets. Aber es zeigt sich auch, dass alle Nationen nachlegen und die Luft immer dünner wird, je näher Olympia rückt.“

Insgesamt 19 Aktive sind bei der GIDJM/Open Windfoil vor Kiel am Start. Fotos: www.segel-bilder.de

Text: Ralf Abratis

Der Regatta-Plan:

GIDJM

Klassen: Optimist, ILCA 4, ILCA 6, Europe, Teeny, 29er, 420er, Pirat, Open Windfoil Youth.

Mittwoch, 10. August, und Donnerstag, 11. August: Vermessung.

Freitag, 12. August, bis Dienstag, 16. August: Wettfahrten

 

50 Jahre Olympia vor Kiel-Schilksee:

Klassen: Drachen (Ranglisten-Regatta/8 Wettfahrten), Flying Dutchman (IDM/ 7 W), Star (North European Championship/6 W), Tempest (WM/9 W).

 

Montag, 15. August: Vermessung: Tempest

Dienstag, 16. August: Practice Race: Tempest

Mittwoch, 17. August: Vermessung: Star; Wettfahrten: Tempest

Donnerstag, 18. August: Wettfahrten: Tempest, Drachen

Freitag, 19. August: Wettfahrten: Tempest, Star, Drachen, Flying Dutchman; 18:00 Uhr Eröffnungsfeier

Samstag, 20. August: Wettfahrten: Tempest, Star, Drachen, Flying Dutchman

Sonntag, 21. August: Wettfahrten: Tempest, Star, Drachen, Flying Dutchman – danach: Siegerehrungen

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